A7-Ausbau: Horrorszenarien versus Transparenz

Die A7 ist die wichtigste Verkehrsachse zwischen Skandinavien und Mitteleuropa. Ihr Ausbau auf sechs bis acht Spuren überfällig. Ab Herbst 2014 wird der 65 Kilometer lange Abschnitt zwischen Bordesholmer Dreieck und Hamburg-Nordwest erweitert. Das 340 Millionen Euro teure Projekt sorgt im Vorfeld für Unruhe.

Ab Herbst wird die A7 in sechs Bauabschnitten à maximal 12 Kilometer Länge ausgebaut. Kalkulierte Bauzeit vier Jahre. Kontraproduktiv für den Tourismus wirken sich die im Vorfeld auch durch die Medien verbreiteten Stauszenarien aus. Information tut Not.

„Die A7 ist die entscheidende Lebensader für Schleswig-Holstein. Der Ausfall der Rader Hochbrücke im Sommer 2013 hat den gesamten Wirtschaftsraum nördlich des Kanals in starkem Maße behindert. Besonders betroffen waren davon die Betriebe des Hotel- und Gaststättengewerbes. Es liegt nahe, für die geplanten Ausbaumaßnahmen an der A7 von einer ähnlichen Beeinträchtigung auszugehen. Das Thema einfach zu verschweigen, hilft nicht“, argumentiert Hotelier Hans-Werner Behmer vom Waldschlösschen Schleswig. „Vielmehr muss ganz offensiv kommuniziert werden, wie mit den zu erwartenden Behinderungen umgegangen und welche Gegenmaßnahmen ergriffen werden sollen. Dies hat nichts mit einer vermeintlichen Negativwerbung zu tun. Wenn Schleswig-Holstein behauptet, der echte Norden zu sein, stehen Offenheit, Ehrlichkeit und Transparenz als nordische Eigenschaften allen Akteuren gut zu Gesicht.“ Carina Jebe-Öhlerich aus dem Landgasthof Güby pflichtet ihm bei: „Es sollte ein genauer Zeitplan erstellt und veröffentlicht werden, um den Touristen, Einheimischen sowie der Wirtschaft ein gewisses Maß an Planungssicherheit zu geben.“

Zu Stoßzeiten und in den Ferien ist mit Zeitverlusten zu rechnen. Auch ein enger getakteter Bahnfahrplan wird dies nicht verhindern können. „Ich halte – neben einer guten Baustellenorganisation – vor allem die ständige und schnelle Information der Öffentlichkeit für den Schlüssel zur Bewältigung der Aufgabe. Unsere Erfahrungen während der Sperrung der Rader Hochbrücke haben deutlich gemacht, dass eine offene Informationspolitik zwar nicht die Bauzeit verkürzen, aber zu mehr Verständnis beitragen kann“, so Reinhard Meyer, Minister für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Technologie in Schleswig-Holstein. Der DEHOGA Schleswig-Holstein steht im engen Kontakt mit dem Ministerium. „Erstmals haben wir mit Reinhard Meyer einen Minister, der als Touristiker bei allen seinen Entscheidungen auch immer den Tourismus im Blickfeld hat", sagt Peter Bartsch, Präsident des DEHOGA Schleswig-Holstein, und mahnt: „Machen wir nicht aus einer Situation, die in anderen Bundesländern alltäglich ist, ein großes Schreckgespenst nach dem Motto: Kommt lieber nicht zu uns! Trauen wir doch den Fachleuten eine gute Lösung zu, gemäß dem Vorgehen unserer Branche: Es gibt keine Probleme, es gibt nur unterschiedliche Lösungen. Gute Ideen sind gefragt, um aus unvermeidbaren Situationen durch pfiffige Marketingmaßnamen wie zum Beispiel einen A7- Cocktail-Wettbewerb für den besten ‘Stauauflöser’ eine Win-Win-Situation zu erzielen. Das bringt positive Presse für uns und entspannt unsere Gäste am Ende ihrer Fahrt.“

Hintergrundinfos: Die A7 ist mit 962,2 Kilometern die längste deutsche und die längste durchgehende nationale Autobahn Europas. Sie führt als Nord-Süd-Achse von der dänischen Grenze in Ellund durch Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und Hessen, kreuzt dann Bayern und Baden-Württemberg, um im österreichischen Füssen zu enden. Der Abschnitt zwischen Hamburg und der dänischen Grenze wurde in den 1960er und 1970er Jahren als vierspurige Nordachse gebaut