DEHOGA stellt Branchenbericht vor: Licht und Schatten im Gastgewerbe

(Berlin, 3. Juni 2008) Die Umsatz- und Ertragssituation des Gastgewerbes
hat sich im Winterhalbjahr 2007/08 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum
insbesondere in der Gastronomie deutlich verschlechtert.
51,5 Prozent der Gastronomen mussten Umsatzeinbußen hinnehmen, so das Ergebnis des 20. Branchenberichtes des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA Bundesverband), der am Dienstag auf der Jahrespressekonferenz des Verbandes in Berlin vorgestellt wurde. Zwei Drittel der Gaststättenbetriebe beklagten Ertragsrückgänge – das schlechteste Umfrageergebnis seit dem Rezessionsjahr 2002. Ein Umsatzplus konnten 35,8 Prozent der Hoteliers verzeichnen (Vorjahr 44,1 Prozent). Nur noch 21,2 Prozent konnten ihre Erträge steigern (Vorjahr 27,2 Prozent). „Die anhaltende Konsumflaute, explodierende Energiekosten und der Preisschub bei den Lebensmitteln machen unserer Branche schwer zu schaffen“, sagte DEHOGAPräsident Ernst Fischer. „Umso wichtiger ist es, dass die Bundesregierung für Arbeitnehmer und Arbeitgeber bei Sozialabgaben und Steuern endlich einen konsequenten Entlastungskurs einschlägt“, forderte Fischer.

Für eine personalintensive Branche wie das Gastgewerbe hat die Entlastung
des Faktors Arbeit oberste Priorität. „Die weitere Absenkung des
Arbeitslosenversicherungsbeitrages auf unter 3,0 Prozent muss jetzt kommen“, erklärte Fischer.

Im Gegensatz dazu beflügelt die Mindestlohndebatte nicht den Arbeitsmarkt.
Lohnfindung ist nicht Sache des Staates, sondern der Tarifvertragsparteien
und hier wird der DEHOGA seiner Rolle gerecht. Das Tarifgeschäft im Gastgewerbe funktioniert. „Wir wollen keinen Bundestagswahlkampf, beim dem darüber abgestimmt wird, ob acht oder zehn Euro Mindestlohn angemessen sind“, so Fischer. Eine aktuelle Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) belegt die negativen Beschäftigungseffekte eines Mindestlohns im Gastgewerbe. „Daher Hände weg vom Mindestlohn“, appellierte der DEHOGA-Präsident.

Bei der Unternehmenssteuerreform setzt der DEHOGA weiter auf notwendige
Korrekturen. „Die überproportionale Benachteiligung der mittelständischen
Pachtbetriebe durch die Hinzurechnungstatbestände bei der Gewerbesteuer
muss beseitigt werden“, mahnte Fischer an.

Die Debatte um die Erbschaftssteuerreform verfolgt der DEHOGA Bundesverband mit Sorge. „Es ist ohnehin schon schwer genug, Unternehmensnachfolgern Lust auf Selbstständigkeit zu machen“, gab Fischer zu bedenken. „Der Staat darf die Nachfolge deshalb nicht belasten, sondern muss sie entlasten – am besten mit der völligen Abschaffung der Erbschaftssteuer.“

Ganz oben auf der Agenda des DEHOGA Bundesverbandes steht weiterhin
die Forderung nach dem reduzierten Mehrwertsteuersatz für das Gastgewerbe.
Bereits 22 von 27 Ländern in Europa haben dies für die Hotellerie
verwirklicht und fast die Hälfte der Staaten hat auch für ihre Gastronomie
die Mehrwertsteuer reduziert. Die Wertungswidersprüche in Deutschland
sind unübersehbar: Während für die Tiefkühlpizza im Supermarkt 7 Prozent
veranschlagt werden, sind für den Verzehr von Speisen und Getränken im
Café, Bistro oder Restaurant 19 Prozent Mehrwertsteuer fällig.

Die Bundesregierung hat zum 1. Januar 2008 für die Bergbahnen den
reduzierten Satz eingeführt, um Wettbewerbsverzerrungen gegenüber
Nachbarstaaten zu verhindern. „Dieses Argument gilt auch 1:1 für das
Gastgewerbe. Dem darf sich Schwarz-Rot nicht länger verschließen“, so
Fischer. Das aktuell laufende Konsultationsverfahren der EU-Kommission
bringe hoffentlich neuen Schwung in das Thema.

Ergebnisse der DEHOGA-Konjunkturumfrage im Detail

Der aktuelle 20. DEHOGA-Branchenbericht beruht auf der Befragung von
3.000 Unternehmen im April/Mai 2008. Die Beurteilung der Konjunkturentwicklung bezieht sich auf die Geschäftslage im Zeitraum Oktober 2007 bis März 2008 sowie die Geschäftserwartungen für die Monate April bis September 2008. Die Daten werden entweder schriftlich oder per Online-
Fragebogen erhoben.

Hotellerie

Von den 1.600 befragten Beherbergungsbetrieben beurteilten 34,6% ihre
Geschäftslage im Winterhalbjahr 2007/08 als gut bzw. 43,4% als befriedigend.
35,8% der Betriebe setzten von Oktober 2007 bis März 2008 mehr
um als im Vorjahreszeitraum (Vorjahr 44,1%); 32,7% mussten dagegen
Umsatzeinbußen hinnehmen (Vorjahr 28,8%).

Fast jeder zweite Unternehmer (47,8%) hat in der Wintersaison geringere
Erträge erwirtschaftet (Vorjahr 39,5%) und nur jeder fünfte (21,2%) konnte
sein Betriebsergebnis verbessern (Vorjahr 27,2%). Dies ist vor allem auf
höhere Energiekosten und Lebensmittelpreise zurückzuführen, die nur
zum Teil an die Gäste weitergegeben werden können.

Den 22,0% Umsatzpessimisten stehen in der Hotellerie immerhin
36,9 Prozent Umsatzoptimisten gegenüber (Vorjahr: 44%). Höhere Erträge
erwartet ein Viertel der Hoteliers (Vorjahr: 30,7%).

Die Hauptproblemfelder der Hoteliers sind die Energiekosten, die
Betriebskosten und die Höhe der Steuern und Sozialabgaben. Mit 68% hat
insbesondere der Anteil derer, die unter den steigenden Energiekosten
leiden, stark zugenommen (Vorjahr: 55%).

Gastronomie

Nur 22,4% der 1.400 befragten Gastronomen schätzten ihre Geschäftslage
im Winterhalbjahr als gut ein. Nur jedem fünften Betreiber (21,9 Prozent)
eines Cafés, eines Restaurants oder einer Kneipe gelang es, seine Umsätze
zu steigern (Vorjahr 35,2%). Dagegen beklagte jeder zweite Betrieb
(51,5%) einen Umsatzrückgang (Vorjahr 34,1%).

Insbesondere die Ertragssituation ist in der Gastronomie kritisch. Bereits
im Vorjahr hatte fast jeder zweite Gastronom hier einen Rückgang zu beklagen
(45,1%). In diesem Jahr sind es sogar fast zwei Drittel der Betriebe
(65,8%). Dies ist das schlechteste Umfrageergebnis seit dem Jahr 2002.

Zuversicht herrscht nur bei wenigen Gastronomen. Die Anzahl der
Umsatzpessimisten ist mit 38,8% fast doppelt so hoch wie im Vorjahr
(21,8%). Nur 26,3% erwarten eine Umsatzsteigerung (Vorjahr 38,9%). Für
den Sommer 2008 rechnet jeder Zweite mit geringeren Erträgen (Vorjahr
33,1%) und nur 17,0% glauben an Ertragssteigerungen (Vorjahr 26,6%).
Insbesondere in der getränkegeprägten Gastronomie sind die Auswirkungen
der Rauchverbote deutlich spürbar.*

Die größten Problemfelder stellen in der Gastronomie die steigenden
Betriebs- und Energiekosten sowie die Rauchverbote dar.

Der komplette DEHOGA-Branchenbericht Winter 2007/2008 steht unter
www.dehoga.de kostenfrei zum Download zur Verfügung.

Ihre Ansprechpartnerin:
Stefanie Heckel
Pressesprecherin
DEHOGA Bundesverband
Am Weidendamm 1A
10117 Berlin
Fon 030/72 62 52-32
Fax 030/72 62 52-42
Mobil 0171/4 44 13 63
heckel [at] dehoga [dot] de
www.dehoga.de

*Siehe dazu die Pressemitteilung 08/13 „Rauchverbote - geteiltes Echo im Gastgewerbe“.

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